Ausnahmeformen

Auf der Seite Substantive stellen wir vor, wie die meisten Substantive ins Inklusivum gesetzt werden können. Doch es gibt einige Ausnahmen, die sich auf die eine oder andere Weise so verhalten, dass sie einer Sonderbehandlung bedürfen. Die meisten davon sprechen wir auf dieser Seite an. Auf der Seite Neologismen findet Ihr Vorschläge zu Wörtern wie Tante/Onkel, die eine ganz andere Lösung verlangen.

Enkel und Kumpel

Formal fällt das Wort Enkel in das gleiche Paradigma wie Schüler: Der Nominativ Plural ist mit dem Singular identisch, im Dativ Plural wird ‑n angehängt. Doch bei Wörtern wie Schüler sieht unser Substantivsystem vor, für den inklusivischen Plural die Endung ‑ne anzuhängen, sodass die Form auf ‑erne auslautet, parallel zu Studenterne und Kollegerne. Das funktioniert allerdings bei Enkel nicht: Enkelne. Es wäre die einzige Pluralform, die nicht auf ‑erne endet. Unser Vorschlag lautet also: de Enkele, die Enkelerne, analog zu de Studente, die Studenterne. Zu beachten ist dabei, dass die Endung ‑erne eine Nebenbetonung erhält, genau wie ‑innen manchmal in Enkelinnen oder Schülerinnen. Dadurch wird die Buchstabenfolge er nicht wie ein a gesprochen (genauer: als a-Schwa), sondern als ea (genauer: mit vokalisiertem r). Das weicht von der normalen Artikulation der Endung ab, da sie sonst eigentlich immer einer betonten Silbe folgt und daher gänzlich unbetont ist. Das einzige andere gebräuchliche Personensubstantiv mit allen hier aufgeführten Eigenschaften von Enkel ist Kumpel, für das sich das gleiche Verfahren anbietet. Naheliegend ist auch die Form Enklerne bzw. Kumplerne, bei der das e vor dem l getilgt wird. Hier kann das er wieder normal als a-Schwa artikuliert werden. Die Form ist analog zum weniger gebräuchlichen Enklinnen. Die Tilgung lässt sich auch auf den Singular übertragen: de Enkle, de Kumple.

Substantive auf -erer

Die größte Gruppe von Personensubstantiven endet auf ‑er (Schüler, Lehrer etc.). Für die weibliche Form wird die Endung ‑in angehängt (Schülerin, Lehrerin etc.). Ein paar wenige Substantive von dieser Gruppe enden allerdings nicht einfach auf ‑er, sondern auf ‑erer: Wanderer, Zauberer. Diese Wörter haben die Besonderheit, dass bei der weiblichen Form die Endung -in nicht angehängt wird, sondern das zweite -er ersetzt: Wanderin, Zauberin. Da im Substantivsystem von der kürzesten Form ausgegangen wird, die die weibliche und die männliche Form gemeinsam haben (besonders deutlich zu sehen bei den Substantiven im Abschnitt „Substantive ohne weibliche Form auf -in“), lautet die inklusivische Form: Wandere bzw. Zaubere. Aber wie soll der Plural lauten? Dafür schlagen wir ausnahmsweise zwei Pluralformen vor, die wir aus unterschiedlichen Gründen für ähnlich sinnvoll halten: Wanderne/Zauberne und Wandererne/Zaubererne. Die erste, kürzere Form ist analog zu allen inklusivischen Substantiven gebildet, die im Singular auf ‑ere enden, denn dort wird im Plural ein n eingefügt, um die Endung ‑erne zu erhalten: Schülere/Kollegere/Wandere vs. Schülerne/Kollegerne/Wanderne. Die zweite, längere Form ist analog zu denjenigen Wörtern gebildet, die den Plural durch Anhängen von ‑rne bilden: Studente/Arzte/Zaubere vs. Studenterne/Arzterne/Zaubererne. Außerdem gibt es eine Analogie zu den Substantiven, die im Maskulinum auf ‑er enden, denn der inklusivische Plural sieht dort aus wie die männliche Form, an die ‑ne angehängt worden ist: Schüler/Wanderer vs. Schülerne/Wandererne.

Somit sind beide Pluralformen gut motivierbar. Wir empfehlen aber allgemein die kürzere, da sie kompakter ist.

Doppelform im Maskulinum

Es gibt einige Personenwörter, deren männliche Form in der Grundform sowohl auf ‑e enden als auch endungslos sein kann: z. B. Nachfahr(e), Vorfahr(e) und Ahn(e). Letzteres kann in der längeren Form Ahne auch als Femininum verwendet werden, ist insofern also schon geschlechtsneutral. Es ist naheliegend, die inklusivische Form einfach durch Ersetzen des Artikels durch de zu bilden: de Ahne, im Plural Ahnerne. Die Wörter Nachfahr(e) und Vorfahr(e) haben diese Eigenschaft nicht, trotzdem halten wir es für sinnvoll, im Inklusivum einfach die längere Form zu nehmen und ihren Artikel zu ersetzen: de Nachfahre, de Vorfahre. Auch die Formen Nachfahrere bzw. Vorfahrere sind denkbar. Die Pluralform sollte auf ‑erne lauten: Nachfahrerne, Vorfahrerne. Andere Wörter, die in die hier behandelte Gruppe fallen, sind Gesell(e) und seltener auch Hirt(e). Sie können nach dem gleichen Schema abgeleitet werden, wobei es bei Hirt(e) ratsamer ist, nur die längere Form Hirtere zu verwenden, da von den männlichen Formen Hirte deutlich verbreiteter ist als Hirt.

Anglizismen auf -er

Das Englische kennt keine grammatischen Geschlechter. Personenwörter wie Boss, Fan oder Influencer werden im Deutschen trotzdem mit dem männlichen Artikel der kombiniert. Wie soll mit solchen Substantiven verfahren werden?

Es gibt zwei Arten von personenbezeichnenden Anglizismen: Solche, die im Deutschen bisher keine weibliche Form haben und auch für nichtmännliche Menschen verwendet werden. Dazu gehören Boss und Fan. Wie auf der Seite zu bereits geschlechtsneutralen Personenwörtern erläutert, haben diese Wörter schon jetzt eine geschlechtsneutrale Bedeutung, wobei es sich anbietet, diese Wörter zukünftig im Inklusivum zu verwenden, z. B. de Boss und de Fan. Und dann gibt es solche Anglizismen, die eine weibliche Form bilden können: Influencerin zu Influencer. Diese enden fast immer auf ‑er und sind somit gut mit unserem Substantivsystem kompatibel, sodass z. B. de Influencere verwendet werden kann.

Praktisch alle auf -er endenden personenbezeichnenden Anglizismen verhalten sich bezüglich ihrer geschlechtlichen Bedeutung wie deutsche Maskulina auf -er wie Schüler und Bäcker, z. B. Influencer, Designer und Manager. Für manche Deutschsprachige ist aber das Wort Teenager diesbezüglich eine Ausnahme, da sie es als genauso geschlechtsneutral wie Boss und Fan empfinden und weniger mit dem männlichen Geschlecht assoziieren als Wörter wie Schüler und Bäcker. Das ist darauf zurückzuführen, dass die weibliche Form Teenagerin nur sehr selten gebraucht wird. Je nachdem, wie sehr mensch Teenager schon als geschlechtsneutral empfindet, kann mensch als geschlechtsneutrale Form also entweder de Teenager oder de Teenagere verwenden.

Beamter

Ein weiteres deutsches Personen-Substantiv mit besonderen Eigenschaften ist Beamter. Dies wird nämlich in der maskulinen Form durchgehend wie ein substantiviertes Adjektiv behandelt: ein Beamter, der Beamte, die Beamten, mehrere Beamte (vgl. ein Studierender, der Studierende, die Studierenden, mehrere Studierende). Die weibliche Form verhält sich allerdings nicht wie ein Adjektiv, sondern erhält die Endung -in: die Beamtin anstelle von die Beamte. Wir empfehlen, die inklusivische Form im Singular wie ein Adjektiv zu deklinieren: de Beamte, ein Beamte, ich als Beamtey (nach dem provisorischen Gesamtsystem). In dem Fall würde die weibliche Form Beamtin die einzige Ausnahme zu der adjektivischen Deklination dieses Wortes sein. Dadurch kann auch die Pluralform die Beamten / einige Beamte ähnlich wie andere substantivierte Adjektive neutral interpretiert werden. Andererseits ist aber auch zu beachten, dass es sich wegen der schon existierenden Form Beamtin bereits etabliert hat, bei diesem Wort zu gendern, zum Beispiel durch die Doppelnennung die Beamten und Beamtinnen. Dadurch könnten manche Leute die Pluralform die Beamten trotz ihrer adjektivischen Deklination als männlich konnotiert empfinden. Aus diesem Grund bietet es sich an, zusätzlich zum Femininum auch den inklusivischen Plural durch ein Substantivsuffix zu markieren, also die Beamterne zu sagen.

Ähnlich verhält es sich mit dem Personenwort Gesandter, bei dem der Duden als weibliche Form allerdings neben Gesandtin auch Gesandte erlaubt. Hier ist aus unserer Sicht bei der inklusivischen Form eine Abweichung von der adjektivischen Deklination nicht vonnöten, auch nicht im Plural.

Muslim

Das Wort Muslim weist ebenfalls Unregelmäßigkeiten auf. Im Plural gibt es sowohl die Form die Muslime als auch die Muslims, und die feminine Form kann Muslimin, Muslima oder – sehr selten – Muslime lauten. Wir empfehlen, das Wort wie Freund zu behandeln: de Muslime oder de Muslimere, im Plural die Muslimerne.

Substantive ohne weibliche Form auf -in

Es gibt noch Wörter wie Hexe, die zwar mit der männlichen Form (Hexer) den Wortstamm teilen, aber nicht auf die gleiche Weise von dieser abgeleitet werden wie die meisten Personensubstantive (Schülerin von Schüler). Dazu gehört neben Hexe/Hexer z. B. auch Prinz/Prinzessin. Bei derartigen Paaren empfehlen wir, von der kürzesten Form auszugehen:

  • Prinz/Prinzessin: Prinze, Prinzerne
  • Hexe/Hexer: Hexere, Hexerne
  • Witwe/Witwer: Witwere, Witwerne
  • Braut/Bräutigam: Braute, Brauterne (oder: Bräuterne)

Obwohl das Wort Hebamme bzw. Amme keine direkte männliche Form hat, fällt es insofern unter diese Kategorie, als es sich gut mit dem Substantivsystem kombinieren lässt: (Heb)ammere, im Plural (Heb)ammerne.

Zusammenfassung

Hier ist eine Liste mit allen oben vorgestellten Vorschlägen:

  • Enkel: Enkele (oder: Enkle), Enkelerne (oder: Enklerne)
  • Kumpel: Kumpele (oder: Kumple), Kumpelerne (oder: Kumplerne)
  • Wanderer: Wandere, Wanderne (oder: Wandererne)
  • Zauberer: Zaubere, Zauberne (oder: Zaubererne)
  • Nachfahr(e): Nachfahre (oder: Nachfahrere), Nachfahrerne
  • Vorfahr(e): Vorfahre (oder: Vorfahrere), Vorfahrerne
  • Ahn(e): Ahne, Ahnerne
  • Gesell(e): Geselle (oder: Gesellere), Gesellerne
  • Hirt(e): Hirtere (oder: Hirte), Hirterne
  • Influencer: Influencere, Influencerne
  • Beamter: Beamtey (wie ein Adjektiv), Beamterne (oder: Beamte (wie ein Adjektiv))
  • Muslim: Muslime (oder: Muslimere), Muslimerne
  • Prinz: Prinze, Prinzerne
  • Hexe: Hexere, Hexerne
  • Witwe: Witwere, Witwerne
  • Braut: Braute, Brauterne (oder: Bräuterne)
  • (Heb)amme: (Heb)ammere, (Heb)ammerne