Begründung der Endungen des Del-On-Sel-Systems

Wie hier dargelegt gibt es gute Gründe dafür, die deutsche Sprache um ein neues geschlechtsneutrales Genus (also um ein neues geschlechtsneutrales grammatikalisches Geschlecht) zu erweitern. In Anlehnung an das geschlechtsneutrale Genus der skandinavischen Sprachen bezeichne ich dieses neue Genus als Utrum. Um Substantive, Artikel, Adjektive und Pronomen als geschlechtsneutral zu markieren, werden spezifische Utrum-Endungen benötigt. Das Del-On-Sel-System ist ein System für Utrum-Endungen, die sorgfältig ausgewählt wurden, um bestimmte wünschenswerte Kriterien zu erfüllen. Auf dieser Seite wird erklärt, welche Kriterien hierbei eine Rolle gespielt haben und wieso diese Kriterien zu den im Del-On-Sel-System vorgeschlagenen Endungen geführt haben.

Die neuen geschlechtsneutralen Utrum-Formen sollen drei wichtige Kriterien erfüllen:

  1. Immer wenn sich die maskuline Form von der femininen Form unterscheidet, sollte sich auch die geschlechtsneutrale Utrum-Form von diesen beiden Formen unterscheiden.
  2. Die geschlechtsneutralen Utrum-Formen sollten leicht aussprechbar sein und klanglich gut zu dem gewöhnlichem Klang der deutschen Sprache passen.
  3. Die neuen Utrum-Formen sollten leicht erlernbar sein und sollten nach einer kurzen Eingewöhnungszeit für Deutschsprachige natürlich klingen. Zu diesem Zwecke sollten die neuen Endungen von Pronomen, Adjektiven und Artikeln gut zueinander passen, und die Deklination in den verschiedenen grammatikalischen Fällen sollte sich an existierenden Deklinationsmustern orientieren.

Im Folgenden soll erklärt werden, wie es unter Beachtung dieser Kriterien zu der Entwicklung der Utrum-Formen des Del-On-Sel-Systems kam.

Viele Leute, die sich geschlechtsneutral ausdrücken wollen, benutzen dafür häufig das Wort Person. Das ist natürlich ein sehr praktisches Wort, aber es funktioniert nicht gut, wenn auch noch der Beruf der Person oder eine Tätigkeit oder menschliche Beziehung wie Aktivist*in, Freund*in, Nachbar*in oder Kolleg*in erwähnt werden soll. Daher bietet es sich an, in Anlehnung an Person die Endung -on (mit langem o) für die Bildung geschlechtsneutraler Substantive zu verwenden: Lehreron, Aktiviston, Freundon, Nachbaron, Kollegon usw. Im Gegensatz zu anderen vorher von mir und anderen Personen in Betracht gezogenen Endungen (z.B. -nin, -e oder -ir) hat die Endung -on den Vorteil, dass Sie sich an einem existierenden geschlechtsneutralen Wort orientiert und daher nicht so willkürlich wirkt.

Das Wort Person ist trotz seiner geschlechtsneutralen Bedeutung grammatikalisch ein feminines Substantiv. Es wäre also denkbar, dies bei den neuen Wörtern mit der Endung -on genauso zu handhaben, und diese Möglichkeit erwähne ich auch auf dieser Webseite als sprachlich konservativere Alternative zum Del-On-Sel-System. Allerdings gibt es auch viele Leute, denen es wichtig ist, geschlechtsneutrale Formen verwenden zu können, bei denen es eindeutig ist, dass sie geschlechtsneutral sind, die also nicht mit existierenden maskulinen oder femininen Formen identisch sind (siehe Kriterium 1 oben).

Damit die neuen Utrum-Endungen möglichst leicht erlernbar sind, ist es hilfreich, wenn sich die Deklination der Utrum-Endungen in den verschiedenen grammatikalischen Fällen entweder der Deklination der Maskulinum-Endungen oder der Deklination der Femininum-Endungen ähnelt. Dabei ist es in zwei Hinsichten vorteilhaft, sich hierbei eher an den Femininum-Endungen als an den Maskulinum-Endungen zu orientieren:

  • Im Maskulinum gibt es bei Adjektiven, Artikeln und Pronomen immer vier verschiedene Endungen für die vier grammatikalischen Fälle (Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ). Im Femininum hingegen sind die Endungen für Nominativ und Akkusativ immer identisch, und die Endungen für Genitiv und Dativ sind immer identisch. Wenn sich die neuen Utrum-Endungen an den Femininum-Endungen orientieren, müssen daher nur halb so viele neue Endungen eingeführt und erlernt werden, wie wenn sich die neuen Utrum-Endungen an den Maskulinum-Endungen orientieren.
  • Da die geschlechtsneutrale Endung -on an das grammatikalisch femininen Wort Person angelehnt ist, bietet es sich an, in Kombination mit der Endung -on Artikel und Adjektiv-Endungen zu verwenden, die sich stärker am Femininum als am Maskulinum orientieren.

Bei der Auswahl der konkreten Utrum-Endungen für Artikel, Possessivpronomen und Adjektive hat die folgende Überlegung ein Rolle gespielt: Das Deutsche hat nur eine sehr kleine Menge an Endungen, die als Endungen von unbestimmten Artikeln, Possessivpronomen oder Adjektiven benutzt werden: -e, -er, -em, -en, -es sowie die leere Endung wie im Wort ein. Es gibt nur wenige weitere Endungen, die diesen Endungen so ähnlich klingen, dass sie als Endungen von Artikeln, Possessivpronomen oder Adjektiven nicht zu fremdartig klingen. Meines Erachtens kommen hierfür nur -erm, -ern, -ers, -el, -erl und -eng in Betracht. Alle anderen denkbaren Endungen würden zu fremdartig klingen und daher Kriterium 2 nicht erfüllen.

Nach einigem Ausprobieren mit diesen Endungen kam ich zu dem Schluss, dass es am einfachsten ist, die Endung -el statt der femininen Endungen -ie und -e zu verwenden, und die Endung -erl statt der femininen Endung -er zu verwenden:

MaskulinumFemininumUtrum
Nominativder gute Lehrerdie gute Lehrerindel gutel Lehreron
Genitivdes guten Lehrersder guten Lehrerinderl guten Lehreron
Dativdem guten Lehrerder guten Lehrerinderl guten Lehreron
Akkusativden guten Lehrerdie gute Lehrerindel gutel Lehreron

Da Deutschsprachige schon die femininen Endungen kennen, können sie leicht die neuen Utrum-Endungen erlernen, da sich diese wie oben beschrieben von den femininen Endungen ableiten. Durch das -l am Ende der Endungen sind gleichzeitig alle Endungen klar von den femininen Endungen unterscheidbar. Nur bei der Adjektiv-Endung im Genitiv und Dativ (-en) ist die Utrum-Endung mit der femininen Endung identisch, aber das ist kein Problem, da in diesen beiden Fällen auch die maskuline Endung mit der femininen Endung identisch ist (siehe Kriterium 1).

Auch das geschlechtsneutrale Personalpronomen, also die geschlechtsneutrale Alternative zu er und sie, muss in den vier grammatikalischen Fällen dekliniert werden können. Damit diese Deklination leicht erlernbar ist, bietet es sich an, das Personalpronomen ähnlich wie den bestimmten Artikel zu deklinieren (siehe Kriterium 3). Deswegen hab ich mich beim Personalpronomen für die Deklination sel/serl/serl/sel entschieden, analog zur Deklination del/derl/derl/del beim bestimmten Artikel. Der Anfangsbuchstabe s ist dabei sowohl dem Anfangsbuchstaben von sie als auch dem Anfangsbuchstaben von sein entlehnt (denn die Genitivform serl wird analog zu den Formen sein und ihr verwendet).

Weitere Infos zur Entstehung des Del-On-Sel-Systems gibt es hier.