Neologismen

Auf dieser Seite beschreiben wir ergänzend zu der Beschreibung des Gesamtsystems, wie geschlechtsneutrale Alternativen zu den Pronomen man und jemand lauten könnten sowie zu Substantiven, deren weibliche Form einen anderen Wortstamm verwendet als die männliche. Diese Vorschläge gehören allerdings nicht direkt zum Gesamtsystem, das wir an die Öffentlichkeit tragen werden, sondern bilden lediglich eine durchdachte Ergänzung zu diesem, die aber variabler ist als seine grammatischen Komponenten.

Pronomen

Man

Obwohl das Indefinit-Pronomen man semantisch immer geschlechtsneutral war, führt seine Ähnlichkeit zum Wort Mann bei manchen zu Unbehagen, weswegen einige Leute Alternativen wie frau, eins oder mensch bevorzugen. Das Wort mensch funktioniert eigentlich gut, im Inklusivum bietet es sich aber auch an, die Artikelpronomen einet oder einey in der Bedeutung von man zu verwenden, je nachdem, welche Endung sich durchsetzt. Im Dativ und Akkusativ wird man ohnehin durch das Pronomen einem bzw. einen ersetzt. Diese Formen sollten dann natürlich ebenfalls ins Inklusivum übertragen werden: einerm im Dativ und einet/einey oder einern im Akkusativ.

Außerdem wird auf man bisher mit maskulinen Wörtern verwiesen: „Man sollte vor dem Essen seine Hände waschen.“ Dies ist auch eine Form des generischen Maskulinums. Statt des maskulinen sein schlagen wir vor, die Possessivform des inklusivischen Personalpronomens zu verwenden. Mit dem Pronomen dey/deyer würde es z. B. so aussehen: „Mensch sollte vor dem Essen deyre Hände waschen.“

Es gibt noch ein paar Ausweichlösungen, die zwar nicht in jedem Kontext funktionieren, aber dafür bereits in der Standardsprache existieren:

  • Formulierung mit Passiv
    • funktioniert: „Man darf hier nicht rennen. / Hier darf nicht gerannt werden.“
    • funktioniert nicht: „Das weiß man doch.“
  • Formulierung mit sich
    • funktioniert: „Wie spricht man/sich dieses Wort aus?“
    • funktioniert nicht: „Das sollte man nicht sagen.“
  • Formulierung mit sich lassen
    • funktioniert: „Das kann man/lässt sich herausfinden.“
    • funktioniert nicht: „Man tut, was man kann.“
  • Formulierung mit ich
    • funktioniert: „Bei dem Lärm versteht man sich/verstehe ich mich selbst nicht mehr.“
    • funktioniert nicht: „Das nennt man Glück im Unglück.“
  • Formulierung mit wir
    • funktioniert: „Man sieht/Wir sehen noch deinen Schopf.“
    • funktioniert nicht: „Man hat sehr positiv auf mein Outing reagiert.“
  • Formulierung mit du
    • funktioniert: „Wenn man lauscht/du lauschst, kann man/kannst du die Gänse hören.“
    • funktioniert nicht: „Man hat mir gesagt, du wärst krank.“

In den meisten Kontexten lässt sich das Wort man umgehen durch eine der oben vorgestellten Alternativen oder eine gänzlich andere Umformulierung (z. B. „Ein anständiger Mensch macht sowas nicht.“ statt „Das macht man nicht.“). Da mensch dafür aber praktisch in jedem Fall all diese Alternativen durchgehen müsste, ist es praktischer, stattdessen das Wort mensch zu verwenden, das in jedem Kontext man ersetzen kann.

Jemand und niemand

Genau wie man ist auch jemand bzw. niemand in seiner Bedeutung bereits geschlechtsneutral, doch auch hier fühlen sich einige Menschen an das Wort Mann erinnert. Eine Lösung, die in ihrer Form gut zu mensch passt, wäre jemensch bzw. niemensch. Es wurde auch vorgeschlagen, einfach das a durch ein e zu ersetzen: jemend/niemend. Doch da die Grundform jemand/niemand klanglich deutlich weiter von Mann entfernt ist als man, sehen wir eine Ersetzung des Wortes als weniger naheliegend an.

Es gibt allerdings noch zwei weitere Probleme mit jemand bzw. niemand:

Erstens wird es bisher maskulin dekliniert: jemand/jemandes/jemandem/jemanden. Im Inklusivum bietet es sich an, entweder keine Deklination vorzunehmen (wie es bereits häufig gemacht wird, z. B. „Ich habe jemand die Tür aufgehalten.“ statt „Ich habe jemandem die Tür aufgehalten.“) oder analog zum unbestimmten Artikel zu deklinieren: jemand/jemanders/jemanderm/jemand(ern)

Zweitens wird auf jemand und niemand wie auf man bisher mit maskulinen Wörtern verwiesen: „Jemand, der auf dem Bahnhof war, hat seine Tasche hier vergessen, hoffentlich bekommt er sie zurück.“ Dies ist auch eine Form des generischen Maskulinums. Das kann ebenfalls recht einfach mit den Formen des Inklusivums gelöst werden, hier beispielhaft mit dem Pronomen dey/deyer: „Jemand, de auf dem Bahnhof war, hat deyre Tasche hier vergessen, hoffentlich bekommt dey sie zurück.“

Wenn eine Ausweichlösung für jemand gewünscht ist, die mit den etablierten Regeln der deutschen Sprache konform ist, empfehlen wir eine Person. Der Ausdruck ist zwar doppelt so lang wie das Wort jemand, kann dieses aber praktisch immer ersetzen und ist eindeutig geschlechtsneutral. Außerdem gibt es zwei Alternativen, die in der Umgangssprache bereits sehr verbreitet sind, allerdings nicht in jedem Kontext funktionieren:

  • Formulierung mit wer
    • funktioniert: „Es hat jemand/wer das Licht angelassen.“
    • funktioniert nicht: „An der Tür ist jemand Fremdes.“
  • Formulierung mit irgendwer
    • funktioniert: „Da ist jemand/irgendwer.“
    • funktioniert nicht: „Ich kenne jemanden, der Chinesisch spricht.“

Substantive

Es gibt einige Personen-Substantive, deren Wortstamm bereits eine Aussage über das Geschlecht der Person trifft, nicht erst Endung und Genus.

Allgemein

Anstatt Mann und Frau kann meistens Person verwendet werden. Wenn betont werden soll, dass es sich um eine erwachsene Person handelt, kann auch de Erwachsene gesagt werden. Die Verwendung von Person (und im Plural Leute) bietet sich auch bei zusammengesetzten Wörtern an:

  • Ehemann/Ehefrau: Eheperson, Eheleute (auch: EhepartnerePartnere)
  • Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau: Feuerwehrperson, Feuerwehrleute

Bei Hundehalternen empfiehlt es sich, statt Frauchen und Herrchen die geschlechtsneutrale Form Haltere oder Halterchen zu verwenden.

Für die geschlechtsneutrale formale Anrede bietet es sich an, statt Herr oder Frau das Wort Person zu verwenden, z. B. Person Müller statt Frau Müller oder Herr Müller.

Das Wort Jungfrau wird im Deutschen geschlechtsneutral verwendet, doch es ist nicht nur wegen der Geschlechts-Spezifizität des zweiten Wortbestandteils ‑frau problematisch, sondern auch in der Herkunft, da früher der Jungfernschaft von Frauen gesellschaftlich mehr Bedeutung beigemessen wurde als der von Männern. Wir schlagen vor, den etwas veralteten Begriff Jungfer als Basis für eine inklusivische Wortform zu verwenden, in dem weniger stark das Wort Frau und damit die historische sexistische Bedeutung anklingt, auch wenn sich der Wortbestandteil ‑fer aus einer älteren Wortform von Frau entwickelt hat. Wie die größte Gruppe von Personenwörtern endet auch Jungfer auf ‑er (vgl. Schüler etc.), auch wenn das natürlich nur Zufall ist. Die Form de Jungfere passt dadurch aber gut zu Wörtern wie de Schülere. Der Plural lautet entsprechend Jungerne. Das Adjektiv jungfräulich empfehlen wir durch die Form jungferlich zu ersetzen.

Es gibt im Deutschen die geschlechtsneutralen Begriffe Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, die für die jeweiligen Altersgruppen statt Mädchen oder Junge verwendet werden. Doch es gibt keinen, der diese drei Gruppen zusammenfasst und Junge oder Mädchen in jedem Kontext ersetzen kann. Viele Leute benutzen im Plural den Anglizismus Kids mehr oder weniger in derselben Bedeutung wie Jungen und Mädchen, sodass sich dies gut anbietet. Im Singular könnte einfach de Kid gesagt werden.

Verwandtschaft

Verwandtschaftsbezeichnungen bilden die größte Gruppe der Personen-Substantive, deren weibliche und männliche Form unterschiedliche Wortstämme haben.

Die wohl meistverwendete geschlechtsneutrale Verwandtschaftsbezeichnung ist Geschwister für Schwester/Bruder. Bisher wird das Wort vor allem im Plural verwendet, aber es gibt auch die Singularform das Geschwister, die vor allem in der Fachsprache Anwendung findet, seit einigen Jahren aber auch vermehrt in der Umgangssprache. Hier ist es naheliegend, das grammatische Geschlecht anzupassen: de Geschwister. Der Plural würde noch immer die Geschwister lauten.

Statt Sohn/Tochter wird natürlich meist Kind verwendet. Einige Jugendliche oder Erwachsene empfinden das allerdings als unpassend, weshalb wir das etwas veraltete Wort Spross vorschlagen, wobei es bei der Wiederbelebung dieses Wortes naheliegt, es jetzt im Inklusivum zu verwenden: de Spross. Bisher hat das Wort Spross zwei Pluralformen: Sprosse und Sprossen. Da Letzteres aber auch der Plural von Sprosse ist, schlagen wir vor, nur die erste Form zu verwenden: die Sprosse.

Auch für Mutter/Vater gibt es bereits einen existierenden geschlechtsneutralen Begriff: Elter. Er wird zwar meist im Plural verwendet – vor allem in der Zoologie aber auch im Singular. Bisher ist es ein Neutrum, doch wir schlagen vor, genau wie bei Geschwister das grammatische Geschlecht zum Inklusivum zu ändern: de Elter. Auch hier würde sich der Plural nicht ändern.

Als geschlechtsneutrale Alternative zu Mama/Mami und Papa/Papi schlagen wir Baba/Babi oder Tata/Tati vor. Ähnlich kann mensch Oba/Obi oder Ota/Oti als geschlechtsneutrale Alternativen zu Oma/Omi und Opa/Opi verwenden. Statt Mutti und Vati bietet sich Elti an. Anders als die anderen hier vorgestellten Wörter sind die in diesem Absatz angesprochenen Koseformen von sehr persönlicher Natur. Die Vorschläge richten sich lediglich an Eltern und Großeltern, die nach einem geschlechtsneutralen Kosenamen suchen, bei dem ihre (Enkel)kinder sie rufen können. Es sollte davon abgesehen werden, eine solche Koseform generisch für ein (Groß)elter zu verwenden, de möglicherweise oder sogar wahrscheinlich eine andere Form präferiert.

Für einige Verwandtschaftsbezeichnungen bietet es sich an, eine geschlechtsneutrale Form durch Verschmelzung der existierenden Formen bilden: 

  • Neffe/Nichte: de Nefte, die Neften
  • Tante/Onkel: de Tonke, die Tonken
  • Cousine/Cousin: de Couse, die Couserne (mit Betonung auf der ersten Silbe)

Diese Begriffe sind nicht nur praktisch, um über einzelne nichtbinäre Personen zu sprechen, sondern auch, um z. B. „Gesamtheit der Geschwister der Eltern“ in einem Wort zusammenzufassen, anstatt umständlich „Tanten und Onkel“ sagen zu müssen.

Zusammenfassung

Hier ist eine Liste mit allen oben vorgestellten Vorschlägen:

  • Mann/Frau: Person (oder: de Erwachsene)
  • Ehemann/Ehefrau: Eheperson, Eheleute (oder: EhepartnerePartnere)
  • Feuerwehrmann/Feuerwehrfrau: Feuerwehrperson, Feuerwehrleute
  • Frauchen/Herrchen: Haltere, Halterne (oder: Halterchen)
  • Frau/Herr: Person
  • Jungfrau: Jungfere, Jungferne
  • jungfräulich: jungferlich
  • Junge/Mädchen: Kid, Kids
  • Bruder/Schwester: Geschwister, Geschwister
  • Tochter/Sohn: Spross, Sprosse
  • Mutter/Vater: Elter, Eltern
  • Mutti/Vati: Elti, Eltis
  • Mama/Papa: Tata, Tatas (oder: Baba, Babas)
  • Mami/Papi: Tati, Tatis (oder: Babi, Babis)
  • Oma/Opa: Ota, Otas (oder: Oba, Obas)
  • Omi/Opi: Oti, Otis (oder: Obi, Obis)
  • Neffe/Nichte: Nefte, Neften
  • Tante/Onkel: Tonke, Tonken
  • Cousine/Cousin: Couse, Couserne (mit Betonung auf der ersten Silbe)

Lediglich Person und die Formen, die auf ‑person enden, sind nicht grammatisch inklusivisch. Für alle anderen Vorschläge bietet es sich an, den Artikel de zu verwenden.