Auf dieser Seite geben wir eine Übersicht über die aus unserer Sicht wichtigsten Argumente für und gegen die verschiedenen vorgeschlagenen geschlechtsneutralen Alternativen für Nichte/Neffe, Onkel/Tante, Cousine/Cousin.
Für alle vorgeschlagenen Formen könnte der inklusivische Artikel de verwendet werden, was zu einer intuitiven Einheitlichkeit mit dem System führen würde. Beim Vorschlag Eltschwister ist zusätzlich das naheliegend.
Argumente für und gegen verschiedene Pluralformen sind nur dort aufgeführt, wo zwei Formen konkurrieren, die nicht ‑en und ‑erne sind. Diese beiden Formen haben nämlich durchgängig die gleichen Vor- und Nachteile, die wir der Einfachheit nur einmal hier vorstellen:
‑en
+ wie der bisherige Plural (von Nichte/Neffe/Tante/Cousine)
+ genauso kurz wie die Singularform
– gliedert sich nicht ins Inklusivum ein
‑erne
+ der inklusivische Plural (Studente → Studenterne)
– eine Silbe länger als ‑en
Nichte/Neffe
Nifte
+ recht transparente Mischung aus Nichte und Neffe
+ zwei Buchstaben von sowohl Nichte als auch Neffe entfernt
– klanglich näher an Nichte als an Neffe
Nefte
+ recht transparente Mischung aus Nichte und Neffe
– nur einen Buchstaben von Neffe entfernt
– klanglich näher an Neffe als an Nichte
Nibling
+ im Englischen übliche Neuschöpfung, die sich aus dem initialen n- von niece/nephew und dem Wort sibling ‚Geschwister‘ zusammensetzt
– im Deutschen weniger klar motiviert
Plural: Niblinge
+ bisheriger Plural von deutschen Wörter auf ‑ling (Lieblinge)
Plural: Niblings
+ eine Silbe kürzer als Niblinge
– englischer Plural, der sich weniger gut ins Deutsche eingliedert
Onkel/Tante
Tonke
+ recht transparente Mischung aus Onkel und Tante
+ klanglich und orthographisch ähnlich weit von Onkel und Tante entfernt
– bereits ein Vorname, der allerdings recht selten und außerdem unisex ist
Tankel
+ recht transparente Mischung aus Onkel und Tante
+ klanglich und orthographisch ähnlich weit von Onkel und Tante entfernt
– könnte an das Tanken erinnern
Plural: Tankel
+ analog zum bisher üblichen Plural von Onkel
– mit Singular identisch
Plural: Tankels
+ analog zu einem alternativen Plural von Onkel
+ von Singular unterschieden
– für einige vielleicht zu umgangssprachlich
Onte
+ klanglich und orthographisch ähnlich weit von Onkel und Tante entfernt
– möglicherweise weniger transparent als Tonke und Tankel
Eltschwister (Pl.: Eltschwister)
+ verkürzte Form von Elterngeschwister, was das Verwandtschaftsverhältnis umschreibt
– drei Silben lang
Artikel: das
+ der gleiche Artikel wie bisher bei Geschwister
– gliedert sich nicht ins Inklusivum ein
Cousine/Cousin
Bis 2023 konnte Cousine alternativ eingedeutscht Kusine geschrieben werden, heute gilt diese Schreibweise allerdings nicht mehr als standardmäßig. Dennoch stehen alle hier aufgeführten Formen in zwei Schreibungen zur Wahl: einmal mit Cou‑ und einmal mit Ku‑. Die Formen mit Ku‑ haben nämlich teilweise gewisse Vorteile gegenüber den Formen auf Cou‑.
Couse (Aussprache: [ˈkuːzə] ~„KUHse“)
+ sehr kurz
+ inklusivische Endung ‑e
– es könnte gedacht werden, dass das e stumm ist, entsprechend den französischen Ausspracheregeln (allerdings wird die Endung ‑e bei Wörtern aus dem Französischen auf Deutsch meist gesprochen, z. B. Pointe, Sauce, Silhouette, Cousine)
– aufgrund der Kürze könnte unklar sein, dass es eine Alternative für Cousine/Cousin sein soll
Alternative: Kuse
+ die Aussprache wäre klarer als bei Couse
– es könnte noch unklarer als bei Couse sein, dass es eine Alternative für Cousine/Cousin sein soll
Cousenge (Aussprache: [kuˈzɛŋə] ~„kuSENGe“)
+ inklusivische Endung ‑e
+ lautliche Kombination von Cousin (oft „Kuseng“ ausgesprochen) und Cousine
– eine Silbe länger als Couse
– die Kombination aus der französischen Schreibung mit Cou‑ und der eingedeutschten Schreibung mit ‑eng‑ könnte als zu inkohärent empfunden werden (allerdings kennt die deutsche Sprache schon vergleichbare Inkohärenzen, z. B. Porträt)
– es könnte angenommen werden, dass die Form [kuˈzɑ̃ʒ] ~„Kusansch“ ausgesprochen werden soll, entsprechend der französischen Ausspracheregeln
Alternative: Kusenge
+ die Schreibung wäre kohärenter als bei Cousenge
+ die Aussprache wäre klarer als bei Cousenge
– es könnte weniger offensichtlich als bei Cousenge sein, dass es eine Alternative für Cousine/Cousin sein soll
Cousi (Pl.: Cousis; Aussprache: [ˈkuːzi] ~„KUHsi“)
+ sehr kurz
+ das ‑i ist nicht nur über die übliche geschlechtsneutrale Endung wie in Studi oder Freundi motivierbar, sondern auch über das i, das bereits orthographisch in Cousine und Cousin auftritt
– die Form gliedert sich nicht ins Inklusivum ein
– die Form könnte als zu verniedlichend empfunden werden, besonders in ernsten Kontexten oder wenn das Verhältnis zur bezeichneten Person nicht eng ist
– es könnte angenommen werden, dass die Form auf der letzten Silbe betont werden soll, entsprechend den französischen Ausspracheregeln
Kusi
+ die Aussprache wäre klarer als bei Cousi
– es könnte weniger klar als bei Cousi sein, dass es eine Alternative für Cousine/Cousin sein soll
