Pronomen (alt)

Auf dieser Seite führen wir die Personalpronomen auf, die sich in der öffentlichen Umfrage Anfang 2021 qualifiziert haben. Zusätzlich noch das Pronomen „e“, das erst in der Pronomen-Diskussion Januar 2022 thematisiert wird. Für jede Grundform stellen wir ein bis zwei Deklinationsweisen vor – je nachdem, welche Kasus-Unterscheidungen sich anbieten. Die Deklinationsweisen sind ebenfalls in noch keiner Umfrage vorgekommen und werden Teil der Pronomen-Diskussion sein.

Pronomen „dey“

Grundform „dey“

Diese Grundform war in der öffentlichen Umfrage die beliebteste. Es handelt sich um eine Eindeutschung des verbreitetsten englischen geschlechtsneutralen Pronomen „they“ und wird bereits von vielen nichtbinären Deutschsprachigen verwendet. Der Diphthong „ey“ wird wie im Wort „hey“ ausgesprochen.

Deklinationen:

  • dey/deyer/deym/dey
  • dey/deyer/deym/deyn

Possessivform „deyer“

Die wohl beliebteste Possessivform von „dey“ lautet „deren“, unter anderem wegen der Nähe zur englischen Form „their“. Damit gehen allerdings mehrere Probleme einher (Verwechslungsgefahr mit dem pluralen oder femininen Demonstrativum „deren“; fehlende Deklination, die besonders im Genitiv problematisch ist). Deshalb schlagen wir eine neue Variante der Possessivform vor, die sich ebenfalls an der englischen orientiert: „deyer“.

Diese Form wird analog zu „euer“ dekliniert: „deyer Auto“, „deyre Jacke“, „an deyrem Geburtstag“.

Dativform „deym“

Auch im Dativ ist eine Form bereits recht verbreitet, die im Deutschen schon eine Belegung hat: „denen“. Diese weist allerdings ebenfalls die Problematik auf, dass sie mit einem existierenden Demonstrativum kollidiert. Daher unser Vorschlag „deym“, was sich am englischen „them“ orientiert, ohne ganz so stark von der Grundform abzuweichen.

Akkusativform „deyn“

Im Akkusativ bieten sich zwei Formen an: Entweder es wird die gleiche wie im Nominativ verwendet, also „dey“ – oder ein „n“ wird angehängt: „deyn“.

Pronomen „hen“

Grundform „hen“

Diese Form hat ebenfalls schon Verbreitung gefunden und war in der öffentlichen Umfrage die zweitbeliebteste. Sie wurde aus dem Schwedischen übernommen, wo sie seit einigen Jahren immer größere Verbreitung findet. Das „e“ wird kurz gesprochen.

Deklination: hen/hens/hem/hen

Eine Unterscheidung des Akkusativs vom Nominativ bietet sich bei dieser Grundform nicht an.

Possessivform „hens“

Für die Possessivform wird üblicherweise ein „s“ angehängt. Und meistens ändert sich die Form auch nicht, egal welches Substantiv folgt: „hens Auto“, „hens Jacke“, „an hens Geburtstag“. Sie verhält sich dabei grammatisch wie Eigennamen im Genitiv: „Kims Auto“, „Kims Jacke“, „an Kims Geburtstag“.

Dies kann allerdings zu Verwirrung führen, besonders bei einem folgenden Genitiv: „Das ist das Auto hens Mutter.“ Um diese eher unnatürlich anmutende Konstruktion zu umgehen, schlagen wir vor, die Form „hens“ nicht wie einen Eigennamen zu behandeln, sondern wie die anderen Possessiv-Artikel zu deklinieren: „Das ist das Auto henser Mutter.“ So müssen derartige Formulierungen nicht mit eher umgangssprachlichen Konstruktionen wie „von hens Mutter“ umgangen werden.

Dativform „hem“

Im Dativ wird meist das „n“ der Grundform durch ein „m“ ersetzt. Dieses ist zwar am Silbenende lautlich oft nicht so gut vom „n“ unterscheidbar, doch dies führt in den wenigsten Kontexten zu Problemen.

Pronomen „en“

Grundform „en“

Diese Form wurde 2018 vom österreichischen LGBTIQA+-Kongress in St. Pölten entwickelt. Begründet wurde die Form damit, dass sie wie die existierenden Pronomen „es“ und „er“ nach dem Schema „e+Konsonant“ aufgebaut ist und wie das geschlechtsneutrale Pronomen „hen“ auslautet. Das „n“ ist der häufigste Konsonant in der deutschen Sprache, und die Kombination „en“ kommt in unzähligen Wortendungen vor, wodurch diese Grundform sehr leicht aussprechbar ist.

Deklination: en/ens/em/en

Auch hier bietet sich keine Akkusativ-Unterscheidung an.

Possessivform „ens“

Für die Possessivform wurden „sein“ und „enes“ vorgeschlagen. Beide halten wir für problematisch. Unser Vorschlag lautet „ens“, wobei wir ihn genau wie „hens“ deklinieren würden: „ens Auto“, „ense Jacke“, „an ensem Geburtstag“.

Dativform „em“

Auch im Dativ bietet es sich an, sich am Pronomen „hen“ zu orientieren und das „n“ durch „m“ zu ersetzen.

Pronomen „em“

Grundform „em“

Auch diese Grundform wird bereits von einigen nichtbinären Deutschsprachigen verwendet. Wie „en“ ist sie nach dem Muster „e+Konsonant“ geformt. Allerdings wird bei „em“ normalerweise der Dativ nicht vom Nominativ unterschieden.

Deklination: em/ems/em/em

Hier wird nur die Possessivform von der Grundform unterschieden.

Possessivform „ems“

Wie schon bei „hen“ und „en“ wird die Possessivform von „em“ durch Anhängen von „-s“ gebildet. Und auch hier empfehlen wir, die Form wie andere Possessiv-Artikel zu deklinieren und nicht wie den Genitiv von Eigennamen unverändert zu lassen: „ems Auto“, „emse Jacke“, „an emsem Geburtstag“.

Pronomen „e“

Grundform „e“

Diese Form haben wir entwickelt, das heißt Marcos Cramer und Averyn Hiell. Auch sie kam in der öffentlichen Umfrage nicht vor und wird in der Pronomen-Diskussion eingebracht werden.

Das „e“ ist der einzige Buchstabe, den die drei Pronomen der dritten Person Singular „sie“, „er“ und „es“ gemeinsam haben. Es ist außerdem der häufigste Buchstabe der deutschen Sprache, womit auch gesagt werden könnte: der neutralste. Die Form passt auch gut zum derzeit beliebtesten Substantivsystem, das primär mit der Endung „-e“ arbeitet. Zusammen mit der vorgeschlagenen Deklination „e/ers/erm/e(rn)“ ist das Pronomen auch genau mit dem geschlechtsneutralen bestimmten Artikel identisch, wenn das „d-“ weggenommen wird: „de/ders/derm/de(rn)“. Dadurch müssen keine neuen Endungen gelernt werden.

Deklinationen:

  • e/ers/erm/e
  • e/ers/erm/ern

Possessivform „ers“

Diese Form ist übernommen von der Genitivendung der Artikel, die eine Fusion aus der femininen und der neutralen bzw. maskulinen besteht: „einer“ + „eines“ —> „einers“. Genau wie die anderen Formen auf „-s“ („hens“, „ens“, „ems“) schlagen wir vor, „ers“ wie die existierenden Possessivartikel zu deklinieren: „ers Auto“, „erse Jacke“, „an ersem Geburtstag“.

Dativform „erm“

Auch diese Form ist von der Artikelendung übernommen, die ebenfalls aus einer Mischung der femininen und der neutralen bzw. maskulinen Dativendung besteht: „einer“ + „einem“ —> „einerm“.

Akkusativform „ern“

Der Akkusativ kann entweder genau wie der Nominativ „e“ lauten oder „ern“, was die Akkusativ-Endung der Artikel ist, wenn sich ein System mit Akkusativ-Unterscheidung durchsetzt.

Pronomen „sier“

Grundform „sier“

Ursprünglich vorgeschlagen von Illi Anna Heger, ist diese Form eine Kombination des femininen Pronomens „sie“ mit dem maskulinen „er“. Unser Deklinationsvorschlag weicht allerdings von Hegers ab.

Deklination: sier/sihrn/ihrm/sien

Da hier das feminine und das maskuline Pronomen miteinander kombiniert werden und im Maskulinum der Akkusativ vom Nominativ unterschieden wird, bietet sich eine Vier-Kasus-Unterscheidung hier besser an als eine Drei-Kasus-Unterscheidung.

Ein Nachteil der Grundform ist, dass sie im Sprechfluss manchmal mit der weiblichen Form „sie“ verwechselbar sein könnte.

Possessivform „sihrn“

Genau wie die Grundform handelt es sich hierbei um eine Kombination der entsprechenden femininen („ihr“) und maskulinen Form („sein“). Zwar würde sich mit dieser Überlegung auch „sihr“ anbieten, doch erstens wäre diese Form lautlich nicht von der Grundform unterscheidbar und zweitens nach einem Wort, das auf „-s“ endet, bei normaler Aussprache nicht von der femininen Form „ihr“. Auch die Form „ihrn“ ist problematisch, da sie lautlich mit dem Akkusativ Maskulinum und Dativ Plural des femininen Possessivartikels („ihren“) verwechselbar ist.

Dativform „ihrm“

Auch hier wird die feminine mit der maskulinen Form zusammengefügt: „ihr“ + „ihm“. Es besteht eine lautliche Nähe zur maskulinen Form, die bei normaler Aussprache problematisch werden könnte. Wenn auf „ihrm“ allerdings ein Wort folgt, das mit einem „m“ beginnt, könnte die Form allerdings auch mit der femininen verwechselt werden.

Akkusativform „sien“

Im Akkusativ wird das „r“ durch ein „n“ ersetzt. Somit werden die Nominativ-, die Dativ- und die Akkusativform einheitlich durch Anhängen des letzten Buchstaben der maskulinen Form an die feminine Form gebildet.