Substantive

Auf dieser Seite werden die Substantiv-Systeme vorgestellt, die sich in der internen Umfrage Anfang 2021 qualifiziert haben. Zusätzlich ein System, das eine Variation des beliebtesten Vorschlags darstellt.

Ein neues geschlechtsneutrales System für personenbezeichnende Substantive bemüht sich darum, in erster Linie Konstruktionen wie solche mit dem Genderstern (Schüler*innen) durch welche zu ersetzen, die leichter aussprechbar sind, möglichst kürzer und unabhängiger von existierenden Endungen. Dabei gibt es vier Substantivgruppen, die es zu betrachten gilt, um eine Endung zu finden, die mit keinem existierenden deutschen Wort kollidiert:

  1. Schüler-Gruppe: alle Personensubstantive, die im Maskulinum die unbetonte Endung ‑er haben: Schüler, Lehrer, Australier, Bauer (Letzteres wird zwar im Maskulinum anders dekliniert als die anderen Substantive auf ‑er, aber das ist für die inklusivische Form nicht wichtig)
  2. Freund-Gruppe: alle Personensubstantive, die im Maskulinum auf einen Konsonanten enden und im Plural auf ‑e: Freund, Arzt, Friseur, Pionier (Letzteres endet zwar auch auf ‑er, doch die Endung ist betont und der Plural wird anders gebildet als bei der Schüler-Gruppe)
  3. Student-Gruppe: alle Personensubstantive, die im Maskulinum auf einen Konsonanten enden und im Plural nicht auf ‑e: Student, Professor, Held, Nachbar (Letzteres wird zwar (wie auch Konsul und Ungar) im Maskulinum anders als die meisten anderen Substantive dieser Gruppe dekliniert, aber das ist für die inklusivische Form nicht wichtig)
  4. Kollege-Gruppe: alle Personensubstantive, die im Maskulinum Singular auf ‑e enden: Kollege, Psychologe, Kunde, Ire

Diese vier Gruppen decken die meisten deutschen Personen-Wörter ab, die bisher keine geschlechtsneutrale Form haben. Wörter der Schüler-Gruppe machen mehr als die Hälfte der personenbezeichnenden Substantive aus. Auf folgender Seite stellen wir die meisten Personenwörter vor, die für den Kontext des Inklusivums besondere Erwähnung verlangen: Ausnahmeformen.

Der Einfachheit halber gehen wir bei den Formulierungen von der maskulinen Form aus, schreiben also eher „Bei Substantiven der Schüler-Gruppe wird ein ‑e angehängt“ statt „Bei den Substantiven der Schüler-Gruppe wird ein ‑e an die maskuline Form gehängt“.

In den vorliegenden Beschreibungen klammern wir die Form des Genitivs aus, da die Diskussion zu diesem Detail erst später stattfinden wird.

Systeme mit e(re)

E-System 1

Singular

Beim Vorschlag, der in der internen Umfrage am besten abgeschnitten hat, erhält jedes Substantiv der Schüler- und der Student-Gruppe die Endung ‑e: Schülere, Studente.

Substantive der Kollege-Gruppe enden auf ‑re: Kollegere, Kundere. Das r wird zwischengeschoben, da die Aussprache eines doppelten e unklar wäre. Und einfach die maskuline Wortform beizubehalten, die ja bereits auf ‑e endet, halten wir für keine Option.

Bei der Freund-Gruppe gibt es zwei Varianten mit jeweils Vor- und Nachteilen:

  1. Ein einfaches e wird angehängt: Freunde, Arzte. Die resultierende Form wäre in vielen Fällen mit dem Plural der maskulinen Form identisch (Freunde, Friseure) und nur dann nicht, wenn der maskuline Plural einen Umlaut bildet (Arzte, Anwalte vs. Ärzte, Anwälte).
  2. Die Endung ‑ere wird angehängt: Freundere, Arztere. Dies macht die Form zwar in allen Fällen vom maskulinen Plural unterscheidbar, allerdings auch um eine Silbe länger.

Es wäre auch eine Möglichkeit, beide Varianten im System zuzulassen und z. B. die Empfehlung  auszusprechen, die Endung ‑e nur für Substantive zu verwenden, die dann nicht mit dem maskulinen Plural kollidieren (Arzte), und ‑ere für alle anderen (Freundere).

Im Plural gibt es drei verschiedene Varianten des E-Systems 1, die wir im folgenden getrennt aufführen:

Plural 1 (erne-Plural)

Im Plural enden die Substantive aller vier Gruppen einheitlich auf ‑erne: Schülerne, Studenterne, Kunderne, Freunderne.

Bisher endet der Dativ der Pluralform in deutschen Wörtern immer auf ‑en, wenn der Nominativ Plural auf ‑e endet (die Freunde, den Freunden). Dies wird auch auf dieses System übertragen: den Schülernen, den Kundernen. Dadurch soll es für Deutschsprachige noch intuitiver zu gebrauchen sein. Allerdings klingt der Dativ Plural dann recht ähnlich dem Plural der femininen Form: Kundernen vs. Kundinnen. Dies sollte aber bei normaler Aussprache kein Problem darstellen.

Ein Punkt, der noch nicht geklärt ist: Sollen Substantive, die im maskulinen Plural bisher umgelautet werden, auch im inklusivischen Plural einen Umlaut erhalten? Soll also z. B. der Plural von Arzt Ärzterne oder doch Arzterne lauten?

Plural 2 (s-Plural)

Im Plural wird einheitlich ein s an die Singularform gehängt: die Schüleres, die Studentes, die Kollegeres, die Freunde(re)s.

Plural 3 (Nullplural)

Der Plural ist mit dem Singular identisch: die Schülere, die Studente, die Kollegere, die Freundere.

Bei Substantiven der Freund-Gruppe müsste die Langform auf ‑ere verwendet werden, da sonst keine Unterscheidung zum maskulinen Plural bestünde (die Freunde).

Im Dativ wird kein zusätzliches n angehängt, obwohl alle Nominativ-Formen auf ‑e enden. Dies würde nämlich bei Wörtern des en-Paradigmas zu Kollision mit den maskulinen Dativ-Plural-Formen führen (den Studenten).

E-System 2

Singular

Dieses System kam in der internen Substantiv-Umfrage nicht vor, hat aber ein paar Vorteile gegenüber dem E-System 1, da die meisten Wörter im Singular um eine Silbe kürzer werden.

Anstatt an Substantive der Schüler-Gruppe ein e anzuhängen, wird das r weggenommen, wodurch die resultierende Form ebenfalls auf ‑e endet: Schüle, Baue. Formen wie Lehre, die bereits in anderer Bedeutung existieren, kollidieren zwar mit ihren Zwillingen, was aber in den wenigsten Fällen zu Missverständnissen führen sollte, da die gemeinte Bedeutung fast immer aus dem Kontext erschließbar ist. Nur könnte es zu Verwechslungen mit den männlichen Formen wie Schüler oder Lehrer kommen, da sie im Sprechfluss ähnlich klingen.

Substantive der Student-Gruppe werden genauso gebildet wie im E-System 1: Studente, Nachbare.

In der Kollege-Gruppe wird wie bei der Schüler-Gruppe der letzte Buchstabe getilgt, wodurch die resultierende Form um eine Silbe kürzer ist als die maskuline: Kolleg, Kund. Das mag vor allem bei Wörtern wie Kund(e), Zeug(e) oder Dän(e) gewöhnungsbedürftig sein, da diese dann nur noch aus einer Silbe bestehen, dürfte bei mehrsilbigen Wörtern aber recht intuitiv sein (Psycholog, Pantomim, Orthopäd).

Um den Gedanken der Silben-Reduktion fortzusetzen (und weil es die Endung ‑ere sonst bei keiner anderen Substantiv-Gruppe mehr gibt), wird sich beim e-Paradigma auf die kürzere Form festgelegt: Freunde, Arzte.

Plural

Der Plural wird genauso gebildet, wie im Abschnitt „Plural 1 (erne-Plural)“ unter „E-System 1“ beschrieben.

Ere-System

Singular

Dieses System richtet sich vor allem am Gedanken der Einheitlichkeit aus und stellt die Formenkürze hintenan: Die Substantive aller Gruppen enden auf ‑ere: Schülere, Studentere, Kollegere, Freundere.

Substantive der Student- und der Freund-Gruppe werden dadurch um zwei Silben länger als die maskuline Form, solche der Schüler- und der Kollege-Gruppe nur um eine. Allerdings würde das erste e der Endung in der gesprochenen Sprache wohl häufig verschluckt, wodurch bspw. Studentere wie „Studentre“ und Kollegere wie „Kollegre“ klingen würde und nur höchstens eine (gesprochene) Silbe länger als die maskuline Form wäre.

Genauso wie das E-System 1 hat das Ere-System im Plural drei verschiedene Varianten:

Plural1  (erne-Plural)

Der Plural wird genauso gebildet wie im Abschnitt „Plural 1 (erne-Plural)“ unter „E-System 1“ beschrieben.

Plural 2 (s-Plural)

Im Plural wird einheitlich ein „s“ an die Singularform gehängt: die Schüleres, die Studenteres, die Kollegeres, die Freunderes.

Plural 3 (Nullplural)

Der Plural ist mit dem Singular identisch: die Schülere, die Studentere, die Kollegere, die Freundere.

Die Entscheidung, ob im Dativ ein zusätzliches n angehängt werden soll, steht noch aus. Formen wie den Schüleren wären in normal bis schnell gesprochener Sprache kaum von der femininen Form den Schülerinnen unterscheidbar.

Sonstige Systeme

Ens-System

Singular

Dieses System stellt eine Variation des ens-Systems von Lann Hornscheidt dar.

Bei den Substantiven der Schüler-Gruppe wird die Endung ‑er durch ‑ens ersetzt: Schülens, Lehrens.

Bei allen anderen Substantiven wird ‑ens an den Wortstamm angehängt: Studentens, Doktorens, Kollegens, Kundens, Freundens, Arztens.

Plural

Der Plural wird durch einheitliches Anhängen der Endung ‑e an die Singularform gebildet: die Schülense, die Studentense, die Kollegense, die Freundense.

Wie schon im e-System wird im Dativ des Plurals ein weiteres n angehängt: den Schülensen, den Studentensen, den Kollegensen, den Freundensen.

Is-System

Singular

Die Endung ‑is ist orientiert an der weiblichen Endung ‑in (das i wird kurz ausgesprochen), welche im Singular also durchgängig durch jene ersetzt werden kann: Schüleris, Lehreris, Studentis, Doktoris, Kollegis, Kundis, Freundis, Arztis.

Plural

Der Plural ist mit dem Singular identisch. Dabei sollte besonders darauf geachtet werden, das i in der Endung kurz zu sprechen, da es sonst so klingt, als müsste der Singular auf ‑i auslauten und nicht auf -is (Schüli – Schülis vs. Schülis – Schülis).

Allgemeine Fragen

Was ist mit Feuerwehrmännern?

Frage: Einige Personenwörter enthalten bereits einen Begriff, der geschlechtlich festgelegt ist und nicht durch die Endung -in zu einem weiblichen Substantiv umgewandelt werden kann. Wie soll mit diesen verfahren werden?

Antwort: Hier gibt es keine Lösung, die einheitlich bei allen betroffenen Substantiven funktioniert. Die größte Gruppe dieser Wörter bilden die Verwandtschaftsbezeichnungen. Auf der folgenden Seite werden einige Einzelvorschläge vorgestellt: Neologismen. In Berufsbezeichnungen, die das Wort Mann oder Frau enthalten, könnte dieses einfach durch Person ersetzt werden: Feuerwehrperson, Putzperson. Im Plural ist bereits die Form auf ‑leute üblich: Feuerwehrleute, Putzleute.

Was ist mit Anglizismen?

Frage: Das Englische kennt keine grammatischen Geschlechter. Personenwörter wie Boss, Fan oder Influencer werden im Deutschen trotzdem mit dem männlichen Artikel der kombiniert. Sollen solche Wörter ebenfalls die neue geschlechtsneutrale Endung erhalten?

Antwort: Es gibt zwei Arten von personenbezeichnenden Anglizismen: Solche, die im Deutschen bisher keine weibliche Form haben und auch für nichtmännliche Menschen verwendet werden. Dazu gehören Boss und Fan. Diese haben also schon jetzt eine geschlechtsneutrale Bedeutung, wobei es sich anbietet, diese Wörter zukünftig im Inklusivum zu verwenden, z. B. de Boss und de Fan. Und dann gibt es solche Anglizismen, die eine weibliche Form bilden können: Influencerin zu Influencer. Diese enden fast immer auf ‑er und sind somit gut mit den hier vorgestellten Systemen kompatibel. Nur im E-System 2 gäbe es die Problematik, dass die resultierenden Formen wie die englischen Verben aussehen und von vielen auch so ausgesprochen würden (z. B. Influence, Manage). Für Anglizismen sollte also besser die Form Influencere verwendet werden. Weitere Details gibt es auf der Seite Ausnahmeformen.

Was ist mit Flüchtlingen und Gästen?

Frage: Wie soll mit Personenwörtern verfahren werden, die bisher keine weibliche Form auf ‑in haben, wie bspw. Flüchtling, Gast und Profi? Und außerdem mit Personenwörtern in anderen grammatischen Geschlechtern wie Mitglied oder Waise?

Antwort: Einige Substantive sind bereits geschlechtsneutral, unabhängig von ihrem Genus, können aber trotzdem von einigen als geschlechtlich belegt empfunden werden, vor allem diejenigen mit dem Artikel der. Auf dieser Seite thematisieren wir diese Gruppe von Substantiven ausführlicher und geben Empfehlungen dazu, wie sie im Kontext des Inklusivums behandelt werden könnten.