Ergebnisse der Umfrage zu „unse(r)“ und „eue(r)“

Vom 16.8. bis zum 29.8.2023 haben wir innerhalb unserer Diskussionsforen eine Umfrage durchgeführt, um zu ermitteln, ob wir unser/euer oder unse/eue als inklusivische Formen dieser Possessivartikel empfehlen sollten. Die Formen unse/eue waren dabei eindeutig beliebter.

Auf dem Rest dieser Seite erläutern wir die Durchführung und die Ergebnisse dieser Umfrage im Detail.

Die Umfrage

Bei den Artikeln des ein-Paradigmas (ein, kein, mein, dein, sein, ihr, unser und euer) empfehlen wir seit der Umfrage zu den Artikelsystemen im Dezember 2021 für das Inklusivum die endungslose Form, die auch im Neutrum und Maskulinum verwendet wird. Von den genannten Formen schienen uns unser und euer am problematischsten, da die Endung ‑er recht stark maskulin konnotiert ist (der, jeder, Schüler). Um dieses Problem zu umgehen, hatten wir schon seit 2022 auf unserer Webpräsenz den Vorschlag gemacht, dass das r bei unser und euer im Inklusivum getilgt werden kann: unse, eue. Vor August 2023 hatten wir diese Formen aber noch nicht in unseren Foren abgesprochen. Nach einer kurzen Diskussion dazu von Anfang bis Mitte August sind wir direkt zu einer Umfrage zu dem Thema übergegangen, um eine Entscheidung dazu zu treffen, ob das De-e-System nur unse/eue, nur unser/euer oder beide Varianten enthalten soll, vielleicht mit einer Empfehlung für eine der beiden.

Bei der Umfrage standen die folgenden fünf Optionen zur Auswahl:

  • Nur „unser“/„euer“ sind im De-e-System (im Folgenden wird diese Option nur unser/euer genannt).
  • Sowohl „unser“/„euer“ als auch „unse“/„eue“ sind im De-e-System, wobei „unser“/„euer“ empfohlen werden (im Folgenden: unser/euer empfohlen)
  • Sowohl „unser“/„euer“ als auch „unse“/„eue“ sind im De-e-System, und es wird keine Empfehlung ausgesprochen (im Folgenden: keine Empfehlung).
  • Sowohl „unser“/„euer“ als auch „unse“/„eue“ sind im De-e-System, wobei „unse“/„eue“ empfohlen werden (im Folgenden: unse/eue empfohlen).
  • Nur „unse“/„eue“ sind im De-e-System (im Folgenden: nur unse/eue)

Jeder Vorschlag konnte mit einer Note von 1 bis 6 bewertet werden, wobei erläutert wurde, dass 1 „sehr gut“, 4 „gerade so akzeptabel“ und 6 „sehr schlecht“ bedeutet.

Vor der Umfrage hatten wir die wichtigsten Argumente für und gegen die verschiedenen Vorschläge zu einer Pro-Contra-Liste zusammengetragen, auf die wir in der Einleitung der Umfrage verwiesen haben.

Die Ergebnisse

Es haben 15 Personen teilgenommen. Folgende Graphik stellt die Durchschnittsnoten der fünf Vorschläge dar:

Wie leicht erkennbar ist, waren die beiden Vorschläge, in denen die Formen unse/eue empfohlen werden, eindeutig beliebter als die anderen drei Vorschlägen. Der Unterschied zwischen dem Vorschlag, nur unse/eue im De-e-System zu haben, und dem Vorschlag, beide Optionen im System zu haben und dabei unse/eue zu empfehlen, war hingegen relativ klein.

Die Datei mit den Rohdaten und Details zu den im nächsten Abschnitt erläuterten statistischen Auswertungen lässt sich hier herunterladen.

Statistische Analyse der Ergebnisse

Wie schon bei den vorherigen gruppeninternen Umfragen haben wir eine Likelihood-Analyse durchgeführt, also für jeden Vorschlag die wahrscheinlichkeitstheoretische Plausibilität dafür bestimmt, dass dieser Vorschlag unter allen an diesem Thema interessierten Deutschsprachigen am beliebtesten wäre. Die Methodik wird im Artikel zur ersten Substantivumfrage erläutert. Dabei sind die folgenden Likelihood-Werte herausgekommen:

nur unse/eue62,42 %
unse/eue empfohlen36,12 %
keine Empfehlung1,18 %
nur unser/euer0,27 %
unser/euer empfohlen0,01 %

Wenn wir wie bei den früheren Umfragen den Schnitt zwischen qualifizierten und ausgeschiedenen Vorschlägen so setzen, dass die Irrtumswahrscheinlichkeit unter 5 % liegt, dann haben sich sowohl nur unse/eue als auch unse/eue empfohlen qualifiziert.

Kompromissvorschlag

Da die beiden beliebtesten Vorschläge ähnlich beliebt waren und beide Vorschläge in dieselbe Richtung gehen, scheint uns jetzt ein Kompromiss zwischen diesen beiden Vorschlägen am sinnvollsten. Die Idee dabei ist, dass wir Formulierungen wählen, die es nicht ganz explizit machen, ob wir unser/euer als Teil des De-e-Systems ansehen, es aber klar machen, dass wir unse/eue empfehlen und was die Gründe dafür sind. In der detaillierten Beschreibung des De-e-Systems auf unserer Webpräsenz könnte das zum Beispiel wie folgt formuliert werden:

Im Deutschen werden die Possessiv-Artikel unser und euer so wie die Artikel des ein-Paradigmas (ein, kein, mein, dein, sein, ihr) dekliniert, die häufig endungslos auftreten. Aus grammatischer Sicht ist der Wortbestandteil „er“ in diesem Fall also kein Endung, sondern Teil des Wortstamms der endungslosen Formen unser und euer. Trotzdem sind unser und euer für viele Menschen aber relativ stark männlich konnotiert, da das -er am Wortende an maskuline Formen wie der, jeder und Schüler erinnert. Um dieses Problem zu umgehen, empfehlen wir, das r für die inklusivische Grundform zu tilgen: unse, eue. Im Genitiv und Dativ sollten diese beiden Artikel hingegen dekliniert werden, als wäre das r nicht getilgt: unserers/unsererm; eurers/eurerm. Andernfalls wären sie mit den umgangssprachlichen neutralen bzw. maskulinen Formen (z. B. unserm) identisch.

Die Details dazu werden in unseren Foren besprochen.